Villain im Interview: „Hardstyle war schon immer eine Familie“

Kaum jemand verkörpert die Hardstyle-Szene so sehr wie Villain. Seit Jahren begleitet er als MC die größten Momente der Szene und steht auf den bedeutendsten Bühnen Europas. Im Interview mit Ravepedia spricht er über seine Leidenschaft für Hardstyle, die besondere Verbindung zur Community und seine Gedanken zur historischen Absage der Defqon.1. Ein Gespräch über Zusammenhalt, Verantwortung und die Kraft einer Szene, die für viele längst mehr als nur Musik ist.


Ravepedia:

Du bist seit vielen Jahren die Stimme der Hardstyle-Szene und auf den größten Festivals Europas zu Hause. Wenn du auf deinen Weg zurückblickst – gibt es Momente, in denen du innehältst und darüber nachdenkst, wie sehr deine Stimme inzwischen Teil dieser Szene geworden ist?

Villain:

Oh ja, definitiv.

Ich habe im Jahr 2000 selbst als Raver angefangen und die Harddance-Szene damals aus der Perspektive eines Fans erlebt. Gleichzeitig war ich fasziniert vom DJing, vom Auftreten auf der Bühne und von der Energie dieser Musik.

Irgendwann habe ich angefangen, Vinyls zu kaufen und meine ersten Auftritte in kleinen Clubs zu spielen. Während meiner Sets habe ich immer wieder zum Mikrofon gegriffen. Genau dort begann eigentlich meine Reise als Host.

Die Leute sagten damals: „Hey, du bist gut am Mikrofon.“ Und plötzlich wurde ich nicht mehr nur als DJ gebucht, sondern für ganze Abende als MC. Erst da habe ich verstanden, dass daraus tatsächlich ein Beruf werden kann.

Der Schlüssel war für mich immer die Leidenschaft. Ich liebe diese Musik, ich liebe die Harddance-Szene und genau diese Energie versuche ich auf der Bühne weiterzugeben.

Ich glaube, das ist bis heute meine größte Stärke: Ich liebe wirklich, was ich tue.


Das ist nicht die Art, wie unsere Community funktioniert.

Ravepedia:

Wir sind heute hier auf dem Airbeat One Festival. Lass uns aber noch einmal auf einen Moment zurückblicken, den wohl niemand so schnell vergessen wird: die Absage der Defqon.1. Wie hast du diesen Moment erlebt?

Villain:

Es war einfach unfassbar.

In den Niederlanden schauen wir normalerweise immer auf Regen und schlechtes Wetter. Niemand hätte jemals gedacht, dass ausgerechnet zu viel Sonne und zu hohe Temperaturen zu so einer Situation führen könnten.

Der Donnerstag war fantastisch. Die Besucher waren da, die Atmosphäre war großartig. Spät in der Nacht kam ich zurück in mein kleines Haus auf dem Festivalgelände und dann erreichte uns die Nachricht, dass die Veranstaltung abgesagt werden muss.

Mein erster Gedanke galt gar nicht meinem eigenen Auftritt – Ich habe sofort an die Menschen gedacht. An die Besucher, die aus der ganzen Welt anreisen. Viele sparen ein oder sogar zwei Jahre, um einmal die Defqon.1 erleben zu können. Und dann bekommt man die Nachricht:

„Es tut uns leid. Es ist zu heiß.“ – Das war einfach surreal.

Ravepedia:

Nach der Absage gab es sehr unterschiedliche Reaktionen. Viele Menschen waren enttäuscht, einige wenige reagierten sogar mit Gewalt. Wie hast du das wahrgenommen?

Villain:

Leider gibt es überall ein paar dumme Menschen – Auch auf der Defqon.1.

Aber das war eine sehr kleine Gruppe. Man braucht nur wenige Personen, um Chaos zu verursachen oder eine schlechte Stimmung zu erzeugen. Für mich haben diese Menschen nichts mit der Hardstyle- oder Rave-Community zu tun.

Natürlich verstehe ich die Enttäuschung. Absolut. Aber etwas zu zerstören, das uns allen so viel bedeutet, ist das Dümmste, was man machen kann.

Das ist nicht die Art, wie wir feiern. Das ist nicht die Art, wie unsere Community funktioniert.


Ravepedia:

Viele Menschen denken, die Aufgabe eines MCs besteht einfach darin, die Menge anzuheizen. Was macht für dich einen wirklich guten MC aus – und welcher Teil deiner Arbeit bleibt für die Fans oft unsichtbar?

Villain:

Wie ich bereits gesagt habe: Meine Leidenschaft ist dieselbe wie die der Menschen vor der Bühne. Der Unterschied ist nur, dass ich versuche, diese Leidenschaft in Worte zu fassen.

Viele verstehen gar nicht, was meine eigentliche Aufgabe ist.

Wenn wir hier auf dem Airbeat One stehen, erleben wir gemeinsam etwas Besonderes. Die Musik, die DJs, die Bühne, die Menschen – all das kommt in diesem Moment zusammen. Ich versuche, genau dieses Gefühl in Worte zu übersetzen – Jedes Mal, wenn ich zum Mikrofon greife.

„Ihr dürft euer Lieblingsgenre haben – aber respektiert auch die anderen.“

Ravepedia:

Wenn du auf die Zukunft des Hardstyle blickst: Was wünschst du dir für die Szene – und was sollte sich niemals verändern?

Villain:

Ich hoffe, dass wir weiter wachsen können, ohne das zu verlieren, was Hardstyle immer ausgemacht hat.

In letzter Zeit gibt es immer wieder Diskussionen und kleine Spaltungen innerhalb der Szene. Ich versuche meinen Teil dazu beizutragen, die Menschen zusammenzubringen.

Denn Hardstyle war für mich immer eines:

„Eine Familie, Eine Gemeinschaft, One Tribe.“

Genau das wünsche ich mir auch für die Zukunft.

Was ich hier am Airbeat One an diesem Wochenende gesehen habe, war unglaublich. Wir feiern hier alle Formen der Harddance-Musik gemeinsam.

Und genau das ist meine Botschaft an alle Hardstyle-Fans:

Ihr dürft euer Lieblingsgenre haben. Ob Euphoric, Hardcore, Uptempo, Rawstyle oder Oldschool. Aber respektiert auch die anderen Stilrichtungen.

Denn nur gemeinsam schaffen wir die besondere Atmosphäre, die unsere Szene ausmacht.


Ravepedia:

Zum Abschluss noch unsere Signature Question: Stell dir vor, jemand besucht zum ersten Mal ein Hardstyle-Festival. Was hoffst du, nimmt diese Person von diesem Erlebnis mit nach Hause?

Villain:

Ich hoffe, dass dieser Mensch Motivation mitnimmt. Nicht nur für die Musik -Für das Leben.

Denn die Energie, die wir auf Hardstyle-Festivals erschaffen, ist einzigartig.

Ich glaube, jeder Künstler, der einmal auf einer großen Hardstyle-Bühne gestanden hat, würde das bestätigen.

Wir haben hier etwas Besonderes.

Wenn diese Person am Ende nach Hause fährt und denkt:

„Das war unglaublich. Ich habe wunderschöne Erinnerungen geschaffen und ich muss nächstes Jahr wiederkommen.“

Dann haben wir alles richtig gemacht.