Mentum im Interview – Zwischen Emotion und Clubenergie

(c): nklvphoto

Mentum gehört zu einer neuen Generation elektronischer Artists, die emotionale Songwriting-Elemente mit clubtauglicher Energie verbinden. Das norwegische Duo aus Oslo – Tim Terkelsen und Finn Eriksrud – hat sich in den letzten Jahren mit internationalen Kollaborationen und einem unverwechselbaren Sound einen Namen gemacht.

Mit ihrem aktuellen Release Breathe zeigen Mentum einmal mehr, wie sich atmosphärische Vocals, introspektive Momente und treibende Dancefloor-Energie verbinden lassen.

Im Gespräch mit Ravepedia sprechen sie über ihre Anfänge, ihre kreative Zusammenarbeit und darüber, warum ein einzelner Moment auf der Tanzfläche manchmal alles erklären kann.


Vom ersten Treffen zur kreativen Einheit

Ravepedia: Ihr habt euch ursprünglich auf einer Hausparty kennengelernt. Wann habt ihr gemerkt, dass daraus wirklich ein gemeinsames Musikprojekt entstehen könnte?

Mentum:
Das war definitiv keine Erkenntnis über Nacht. Da wir uns vorher überhaupt nicht kannten, mussten wir gleichzeitig zwei Dinge herausfinden: wie wir persönlich miteinander klarkommen und wie wir musikalisch zusammenarbeiten können.

Es war eine sehr experimentelle Phase. Wir haben beide ausprobiert, welche Art von Musik wir machen wollen und wohin sich das Ganze entwickeln könnte.

Mit den Jahren hat sich diese Dynamik komplett verändert. Aus zwei Fremden ist eine gemeinsame kreative Einheit geworden. Viele Leute fragen uns heute sogar, ob wir Brüder sind. Das sind wir zwar nicht – aber nach fast zehn Jahren Mentum fühlt es sich manchmal tatsächlich so an.


Die Essenz von Mentum

Ravepedia: Euer Sound verbindet emotionale Elemente mit Clubenergie. Wie würdet ihr selbst die Essenz von Mentum beschreiben?

Mentum:
Die Essenz von Mentum liegt im Gleichgewicht zwischen Technik und Menschlichkeit. Wir beschreiben unseren Sound gern als „High-Energy House mit emotionaler Schwerkraft.“

Tim denkt beim Produzieren sehr visuell – fast wie ein Architekt. Für ihn geht es um Spannung, Farben und Texturen im Sounddesign.

Finn kommt eher von der Songwriting-Seite. Er beschäftigt sich viel mit Psychologie und damit, wie Melodien emotional wirken.

Wenn diese beiden Perspektiven zusammenkommen, entsteht etwas, das auf dem Dancefloor funktioniert – aber auch nach dem Clubbesuch noch im Kopf bleibt.


Der Gedanke hinter „Breathe“

Ravepedia: Euer neuer Track „Breathe“ wirkt sehr emotional und introspektiv. Gab es einen persönlichen Moment, der euch beim Schreiben beeinflusst hat?

Mentum:
„Breathe“ entstand aus einem ganz bestimmten Gefühl heraus. Wir wollten diesen einen Moment auf der Tanzfläche einfangen – den Bruchteil einer Sekunde, in dem alles kurz stillsteht, bevor die Energie explodiert.

Es geht weniger um ein konkretes Ereignis aus unserem Leben, sondern eher um eine kollektive Erfahrung. Jeder kennt diesen Moment, in dem man mitten im Chaos einen Augenblick der Ruhe braucht.

Deshalb wollten wir den Track bewusst roh halten und nicht überproduzieren. Die einfache Vocal-Melodie lässt Raum dafür, dass jeder Hörer seine eigene Geschichte darin finden kann.


Foto (c): nklvphoto

Emotion auf der Tanzfläche

Ravepedia: Welche Emotion möchtet ihr mit „Breathe“ auf die Tanzfläche bringen?

Mentum:
Die wichtigste Emotion ist eine massive Entladung von Spannung.

Der Kontrast zwischen Ruhe und Chaos kann unglaublich kraftvoll sein. Während des Breakdowns möchten wir, dass die Leute ganz bei sich selbst sind – fast introspektiv.

Und wenn dann der Drop kommt, geht es darum, komplett loszulassen und sich mit dem Raum und den Menschen zu verbinden.

Es ist dieser physische und emotionale Moment des Ausatmens.


Die Menschen hinter der Musik

Ravepedia: Was sollten Menschen über euch als Personen wissen, das man in euren Tracks vielleicht nicht sofort hört?

Mentum:
Viele unterschätzen, wie stark unsere Interessen außerhalb der Musik unseren Sound beeinflussen.

Tim ist sehr stark von Kunst, Design und Fotografie geprägt – deshalb fühlen sich unsere Tracks oft sehr räumlich an.

Finn interessiert sich dagegen stark für Psychologie und kulturelle Trends. Er beobachtet, wie Musik Menschen miteinander verbindet.

Außerdem reisen wir viel. Zu sehen, wie unterschiedliche Kulturen Musik erleben, hilft uns, eine globale Perspektive zu behalten und nicht nur auf unsere lokale Szene zu schauen.


Der Moment, in dem alles Sinn ergibt

Ravepedia: Gibt es einen Moment, in dem ihr gespürt habt: „Genau deshalb machen wir Musik“?

Mentum:
Zum Glück erleben wir diesen Moment immer wieder. Besonders, wenn wir reisen und sehen, wie Musik Sprachbarrieren überwindet.

Der stärkste Moment ist aber immer auf der Tanzfläche. Wenn man wochenlang über einen Snare-Sound oder eine Vocal-Chain diskutiert hat und dann endlich sieht, wie ein ganzer Raum darauf reagiert.

In diesem Moment wird klar: Jede schlaflose Nacht und jede technische Herausforderung hat sich gelohnt.


Kreativität als tägliches Training

Ravepedia: Wie sieht euer Alltag rund um einen Release aus?

Mentum:
Wenn man sich das Gesamtbild eines Releases anschaut, kann es schnell überwältigend wirken. Deshalb konzentrieren wir uns bewusst auf kleine tägliche Aufgaben.

Wir behandeln Kreativität wie einen Muskel. Wenn man ihn nicht trainiert, wird er schwächer.

Deshalb versuchen wir jeden Tag etwas Kreatives zu machen – auch wenn es nur eine kleine Idee ist. So bleiben wir im Flow und sind bereit, wenn die große Idee kommt.


Emotion im Produktionsprozess

Ravepedia: Wie schafft ihr es, musikalische und emotionale Tiefe miteinander zu verbinden?

Mentum:
Das funktioniert vor allem durch unsere unterschiedlichen Stärken.

Wenn Tim zum Beispiel einen technisch sehr starken Drop baut, fordert Finn ihn oft heraus, den menschlichen oder erzählerischen Aspekt stärker hervorzuheben.

Wir nehmen uns außerdem viel Zeit, Dinge wieder zu reduzieren. Wenn eine einfache Melodie uns nichts fühlen lässt, wird auch die beste Produktion das nicht retten.


Motivation trotz Herausforderungen

Ravepedia: Wie bleibt ihr motiviert, wenn der kreative Prozess schwierig wird?

Mentum:
Wir beide haben einen sehr starken Antrieb, immer weiterzukommen. Erfolg ist relativ – es geht immer um das nächste Kapitel.

Wenn wir in eine kreative Blockade geraten, wechseln wir einfach die Perspektive. Statt Musik zu erzwingen, arbeiten wir an Social Media, Artwork oder visuellen Konzepten.

Produktiv zu bleiben hilft uns, den Kopf frei zu bekommen – und meistens kommt die Inspiration dann von selbst zurück.


Die Ravepedia-Signature-Frage

Ravepedia: Stellt euch vor, jemand hört eure Musik zum ersten Mal auf einer Tanzfläche – spät in der Nacht, wenn der Moment genau richtig ist. Welches Gefühl sollte diese Person erleben?

Mentum:
Wir wünschen uns, dass diese Person eine echte Verbindung spürt.

Nicht nur einen kurzen Adrenalinschub durch einen großen Drop, sondern einen Moment emotionaler Schwerkraft – in dem die Musik genau für diesen Augenblick gemacht scheint.

Am Ende sollte man die Tanzfläche verlassen und das Gefühl haben, wirklich etwas erlebt zu haben – nicht nur einen weiteren Clubtrack gehört zu haben.

Mehr zum neuesten Release „Breathe“ erfährst du hier