STVW im Interview mit Ravepedia

Von ausverkauften Australien-Shows, der Entstehung von PunkRave Live, der zweiten Tourhälfte und der Leidenschaft, die hinter allem steckt

Ravepedia:

Die Festivalsaison nimmt gerade erst richtig Fahrt auf, aber für dich liegt mit der ersten Hälfte deiner Tour bereits ein halbes Jahr voller Arbeit hinter dir. Wenn du zurückblickst: Welcher Moment ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

STVW:

Ich glaube, eines meiner Highlights war auf jeden Fall die Australien-Tour. Ich war zuvor noch nie in Australien und wir haben direkt alle drei Shows ausverkauft. Nach den Shows saßen wir da und haben gesagt: „Wie geil war das eigentlich?“

Auf der anderen Seite der Welt, auf einem komplett anderen Kontinent, drei ausverkaufte Shows und insgesamt fast 4.000 Leute, die gekommen sind – das war definitiv eines meiner absoluten Highlights.

Ravepedia:

Das kann ich mir vorstellen. Generell läuft deine Tour ja sehr erfolgreich.

STVW:

Die zweite Hälfte geht im Herbst in Europa erst richtig los. Die Deutschland-Shows sind mittlerweile fast alle ausverkauft. Ich glaube, wir haben noch ein paar Tickets für Köln, Berlin und Leipzig. München ist ausverkauft, Frankfurt mittlerweile auch und für Hamburg haben wir, glaube ich, nur noch etwa 40 oder 50 Tickets.


Pokémon mit Freunden als wichtiger Ausgleich

Ravepedia:

Wir wollen heute auch ein wenig die Person hinter STVW vorstellen. Viele kennen dich als Produzenten und DJ. Wie ist Steve, wenn die Musik einmal nicht im Vordergrund steht?

STVW:

Wenn die Musik nicht im Vordergrund steht? Das ist eine gute Frage. Wahrscheinlich arbeite ich zu viel. (lacht)

Ich gehe richtig gerne Basketball spielen und Skateboard fahren. Hauptsächlich arbeite ich aber tatsächlich auch an Musik, wenn ich nicht unterwegs bin. Ansonsten spiele ich aktuell viel Pokémon auf der Switch.

Ravepedia:

Pokémon?

STVW:

Ganz wichtig! Auch mit meinem Freundeskreis batteln wir uns regelmäßig.

Ravepedia:

Früher auf dem Game Boy habe ich das auch gespielt.

STVW:

Ja, die haben jetzt Feuerrot für die Switch neu aufgelegt. Das ist im Prinzip genau das Spiel von damals, nur eben auf der Switch.

Aber ich würde sagen, Musik steht trotzdem immer im Mittelpunkt. Egal, ob ich unterwegs bin oder zuhause – Musik muss einfach immer da sein.

Ravepedia:

Sie ist einfach ein wichtiger Bestandteil deines Lebens?

STVW:

Ja, absolut. Das ist wirklich so.

Ravepedia:

Wenn du an deine Anfänge zurückdenkst: Hast du damals gedacht, dass aus diesem Traum und Hobby einmal eine solche Karriere werden könnte?

STVW:

Wenn man anfängt, hat man natürlich diese Hoffnung. Ich hatte damals meine Vorbilder – W&W, Blasterjaxx, Hardwell. Das war 2012 oder 2013, als EDM seinen absoluten Peak hatte.

Natürlich dachte man sich damals: „Boah, ich will auch mal auf so einer großen Bühne stehen.“ Diesen Gedanken hatte man irgendwo immer im Hinterkopf. Aber es war eher ein Traum in sehr weiter Ferne.

Jetzt hier zu stehen, in einem Stadion oder mit einer eigenen Tour unterwegs zu sein, bei der sich Menschen bewusst ein Ticket kaufen, um dich zu sehen – das hätte ich mir damals nicht einmal erträumen können.

Ravepedia:

Das muss ein unglaubliches Gefühl sein, oder?

STVW:

Ja, es ist wirklich sehr surreal.


Es braucht Geduld und Leidenschaft um an sein Ziel zu kommen

Ravepedia:

Über die Jahre haben sich dein Sound und deine Karriere stetig weiterentwickelt. Was hat dich auf diesem Weg am meisten geprägt – musikalisch, aber auch als Mensch?

STVW:

Als Mensch würde ich sagen: Das Wichtigste ist die Leidenschaft. Und das gilt nicht nur für Musik, sondern eigentlich für alles im Leben.

Es gibt so viele Rückschläge und so viele Momente, in denen du dich fragst, warum du überhaupt 60 oder 70 Stunden pro Woche in etwas investierst, wenn scheinbar nichts zurückkommt. Man muss sich immer wieder sagen: Ich mache das für mich. Und wenn es niemand anderem gefällt, dann ist das eben so. Man darf sich da nicht verrückt machen.

Mir wurde relativ schnell bewusst, dass nicht alles sofort Früchte trägt. Es dauert, man braucht Geduld und vor allem Leidenschaft. Du musst bereit sein, die Zeit zu investieren, denn sonst passiert nichts.

Ravepedia:

Ich glaube, das kann man auf alles im Leben übertragen.

STVW:

Ja, absolut.

Ravepedia:

Ich merke das aktuell auch bei Ravepedia. Natürlich fragt man sich manchmal, ob das alles Sinn macht.

STVW:

Genau. Man hat immer diese Zweifel. Du arbeitest im Grunde auf etwas hin, das noch gar nicht existiert. Das Ziel ist zunächst nur in deinem Kopf vorhanden. Du arbeitest und arbeitest und hoffst, dass irgendwann etwas daraus entsteht.

Das war für mich eine sehr wichtige Erkenntnis.

Musikalisch war es so, dass ich früher in kleinen Schulbands gespielt habe. Punkrock war meine große Leidenschaft. Später kam EDM dazu – Hardwell, Big Room und all diese Sachen.

Anfangs wollte ich unbedingt genau diese Musik machen. Irgendwann merkt man aber, dass man seinen eigenen Weg finden muss. Gerade heute ist das wichtiger denn je. Es gibt unzählige Produzenten und DJs und man muss sein eigenes Ding machen.

So kam irgendwann die Idee auf, meine erste musikalische Leidenschaft – Punkrock – mit meiner neuen Leidenschaft, EDM, zu verbinden.


Ich habe meinen Platz gesucht und wollte etwas Eigenes machen, das sich von den Anderen abhebt

Ravepedia:

Das ist eigentlich schon die perfekte Überleitung zur nächsten Frage. Mit PunkRave Live hast du ein Format geschaffen, das weit über ein klassisches DJ-Set hinausgeht. Welche Bedeutung hat dieses Projekt heute für dich?

STVW:

Im Endeffekt wollte ich einfach Musik machen, die anders ist als alles andere.

Damals gab es einen großen Umbruch in der EDM-Szene. Big Room war mehr oder weniger verschwunden und vieles entwickelte sich in Richtung Techno. Da habe ich mich gefragt: Wo ist eigentlich mein Platz?

Ich wollte etwas Eigenes machen. Also habe ich angefangen, Punkrock und EDM miteinander zu verbinden und zu überlegen, wie man das spannend umsetzen kann.Daraus entstand schließlich die erste Musik in diesem Stil. Und dann kam die Idee: Wie cool wäre es eigentlich, diese Musik auch genauso auf die Bühne zu bringen?

Damals war Corona, aber ich dachte mir: Das macht doch niemand. Wie wäre es, wenn man mit einem Drummer, einer Gitarre und einer kleinen Band auftritt und das Ganze mit DJing kombiniert?

Ravepedia:

Und ich glaube, der Erfolg gibt dir recht.

STVW:

Ja, es war wirklich spannend zu sehen, wie viele Menschen diese Kombination der Genres feiern. Vor allem auf Social Media merkt man, wie gut das Konzept ankommt.


In Trier steckte noch alles in den Kinderschuhen

Ravepedia:

Es begeistert die Menschen einfach. Ich habe beides von dir gesehen und war damals auch bei der Premiere von PunkRave Live in Trier dabei.

STVW:

Stimmt, dort haben wir das zum ersten Mal ausprobiert. Das war noch in den Kinderschuhen. Wir mussten erst einmal herausfinden, wie man so etwas technisch überhaupt umsetzt. Bei einem klassischen DJ-Event ist vieles von dem Equipment, das wir benötigen, normalerweise gar nicht vorhanden, weil es dort schlicht niemand braucht.

Das Schöne ist aber, dass wir mittlerweile wirklich eine kleine Community geschaffen haben. Jeder kann dort hinkommen und so sein, wie er möchte.Es kommen Leute aus der Punkrock-, Rock-, Metal- oder Emo-Szene zu den Shows. Gleichzeitig stehen dort aber auch ganz normale Raver.

Ich habe sogar schon Nachrichten von Menschen bekommen, die sich auf den Events kennengelernt haben und heute befreundet sind. Das ist einfach schön zu sehen. Wir schaffen da eine Community außerhalb des klassischen Mainstream-EDM.

Ravepedia:

Kommen wir zur Realität hinter dem Tourleben. Fans sehen meist nur die schönen Momente. Welche Herausforderungen bekommen sie gar nicht mit?

STVW:

Aktuell merke ich das tatsächlich besonders, weil die neue Tour vor der Tür steht.

Alles, was geplant, vorbereitet, geprobt und produziert wird, sieht am Ende niemand. Die ganze Produktion muss entwickelt, getestet und einstudiert werden. Das ist schon ein riesiger Aufwand.

Ich versuche zwar immer wieder, auf Social Media Einblicke zu geben, aber ich glaube, vielen Leuten ist gar nicht bewusst, wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt.

Bei einer eigenen Tour bist du im Endeffekt ja auch Veranstalter. Du verkaufst deine Tickets selbst, musst die Shows promoten und koordinieren. Das kostet unglaublich viel Zeit. Gleichzeitig bleibt dann oft die Musik liegen. Wir waren jetzt in Australien, in Kanada, jetzt startet die Festivalsaison und ich frage mich manchmal wirklich: Wann soll ich eigentlich noch ins Studio gehen?

Denn wenn ich gerade nicht unterwegs bin, kümmere ich mich um die Tour.

Die Leute sehen am Ende die fertige Show. Aber am Anfang ist alles nur in meinem Kopf. Ich weiß, wie es aussehen soll, aber dann muss man erst einmal herausfinden, wie man dort überhaupt hinkommt. Wir arbeiten zum Beispiel gerade an einem neuen Bühnenbild. Das muss geplant, gebaut, transportiert und am Ende auch auf die Bühne gebracht werden.

Das sind alles Herausforderungen, die viele gar nicht sehen.

Aber genau das macht auch unglaublich viel Spaß.


München wird sicher eines meiner Highlights

Ravepedia:

Dann wird der Herbst auf jeden Fall spannend. Worauf freust du dich bei der zweiten Tourhälfte am meisten?

STVW:

München wird auf jeden Fall ein absolutes Highlight.

Meine Mutter war tatsächlich noch nie bei einem Auftritt von mir dabei. Sie wird nach München kommen, genauso wie die Eltern meiner Frau, weitere Verwandte und natürlich viele Freunde. Darauf freue ich mich riesig.

Aber eigentlich freue ich mich auf jede einzelne Stadt.

Besonders schön finde ich die Nachrichten, die ich auf Instagram oder TikTok bekomme. Wenn Menschen schreiben, wie sehr sie sich auf die Show freuen, dann ist das für mich das größte Highlight überhaupt. Denn ohne die Menschen, die zu den Konzerten kommen, könnte ich das alles gar nicht machen.

Deshalb freue ich mich auf jede Stadt und jeden Auftritt. Es wird anstrengend – aber ich habe richtig Bock drauf.

Ravepedia:

Zum Abschluss haben wir noch unsere Signature-Question.

Stell dir vor, jemand hört deine Musik zum ersten Mal auf einer Tanzfläche – spät in der Nacht, wenn der Moment genau richtig ist. Was soll dieser Mensch empfinden?

STVW:

Das ist eine sehr gute Frage.

Ich versuche immer, emotionale Momente mit Parts zu verbinden, bei denen die Menschen komplett eskalieren können.

Wenn jemand meine Musik zum ersten Mal hört, wünsche ich mir vor allem, dass diese Person das Gefühl hat, etwas Neues zu erleben. Etwas Außergewöhnliches. Keinen Einheitsbrei, sondern etwas, das heraussticht. Etwas, bei dem man sich denkt: „Okay, ich bin gerade auf einem Rave, aber irgendwie fühlt sich das gleichzeitig auch wie ein Rockkonzert an.“

Ich wünsche mir, dass die Menschen den Gedanken hinter dem Ganzen verstehen und genau dieses besondere Gefühl mitnehmen.

Ravepedia:

Ich glaube, das ist ein schöner Schlusspunkt zu diesem Interview. Vielen Dank für das Interview.

Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, die besondere Stimmung von STVW mit PunkRave Live selbst zu erleben, sichert euch hier im Ticketshop eure Tickets in einer Stadt in eurer Nähe.

Wirf auch gerne einen Blick in unsere Review der Show aus Hamburg im letzten Jahr.